Disco (Musik) 70er – 90er

Disco ist eine mit der Funkmusik verwandte Stilrichtung der Popmusik, die um 1974 zu einem eigenständigen Musikgenre wurde. Texte, Melodie und Gesang treten bei Disco-Musik in den Hintergrund; Tanzbarkeit, Groove, ein Beat von etwa 100 bis 120 Schlägen pro Minute (bpm) und der Mix stehen im Vordergrund.

Entstehungsgeschichte

Vom Soul zur Underground-Disco

Mitte der 1960er Jahre wurden in den USA und Westeuropa (Swinging London) Diskotheken populär. Hier hörten junge Leute aktuelle tanzbare und eingängige Musik. Besonders populär war zunächst der Twist, zu dem ein eigener Tanzstil entwickelt wurde, später häufig Soul– und Funk-Musik.

Als 1969 nach den Stonewall-Riots der Schwulen und Lesben in New York das Tanzverbot für gleichgeschlechtliche Paare aufgehoben wurde und sich auch in der schwul-lesbischen Szene ein neues Selbstbewusstsein entwickelte, schossen in der Stadt schwule Clubs und Bars aus dem Boden, in denen die Anfänge der Discokultur der 70er Jahre lagen. Hier wurden ausgiebige Partys mit viel, mehr oder weniger öffentlichem Sex gefeiert. Als Musik kristallisierte sich eine Mischung aus tanzbarem aktuellem Hardrock, Funk im Stil von James Brown, dem weicher, opulent arrangierten Soul-Unterstil namens Phillysound und lateinamerikanischer Musik heraus. Aus diesen Anfängen wurde um 1974 ein eigener Musikstil, der als Disco bezeichnet wurde.

Stilbildend dabei war DJ und Veranstalter David Mancuso, der in seiner Privatwohnung die legendären Loft-Partys veranstaltete. Hier wurden nicht nur zum ersten Mal nonstop Platten hintereinander gespielt, sondern Mancuso gestaltete den Raum mit Ballons und anderen Elementen und achtete auf die Qualität des Sounds und die Besonderheit der Atmosphäre. Das Publikum des Lofts war nicht nur vorrangig homosexuell, sondern auch eine Mischung aus allen ethnischen Gruppen der Stadt. Diese Eckpunkte wurden im weiteren Verlauf der Entwicklung der Disco-Kultur zunächst nur im New Yorker Untergrund ausgebaut. Um 1974/75 wurde Disco auch außerhalb des subkulturellen Untergrunds und New Yorks oder speziell Manhattans populär.

Billboard, das bedeutendste Fach- und Branchenblatt für Musik und Entertainment in den USA, begann vom 26. Oktober 1974 an, Disco-Hitlisten zu führen.[1][2] Die erste wurde von Tom Moulton, einem der erfolgreichsten und einflussreichsten Disco-Produzenten und -Remixer zusammengestellt und maß die Song-Popularität in New York City. Sie trug zunächst den Title Disco Action und folgende Lieder belegten die ersten zehn Plätze:

Die Blütezeit der Disco-Musik fand zwischen 1976 und 1979 statt. Sie war prägend für die Mode, den Zeitgeist und das Lebensgefühl dieser Jahre. Die etwa seit 1980 entstandenen Disco-Stile werden zur Elektronischen Tanzmusik gezählt.

Stil und Instrumentierung

Der Produzent und Chic-Gründer Nile Rodgers in seinen Le Crib Studios, 1999

Typische Instrumente der Discomusik sind die rhythmische Gitarre, die Bassgitarre, das Klavier und Keyboards. Zum unverwechselbaren Discosound gehören auch Streicher wie Violine, Cello oder Harfe, Blasinstrumente wie Trompete, Saxophon, Klarinette oder Flöte und das Schlagzeug. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich die damals aufkommenden elektronischen Modelle, die sogenannten E-Drums. Typisch für viele Disco-Nummern ist der 4/4-Takt, 1/16-Schläge auf der Hi-Hat, die durchlaufende Bassdrum (Four-on-the-floor) und die oftmals rhythmisch komplexen, häufig synkopierten, also gegen den Beat laufenden, Basslinien.

Das 1/16-Feel wird oft von anderen Instrumenten wie der rhythmischen Gitarre unterstützt, wobei Lead-Gitarren selten sind. Keyboards und andere Instrumente übernehmen hauptsächlich harmonische Funktionen und treten im Mix eher in den Hintergrund. In der Spätphase der Disco-Musik wurde die Gitarre teilweise durch Synthesizer ersetzt.

Des Weiteren fällt der Perkussion eine wichtige Rolle zu. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich Handtrommeln (Congas), die meist während des ganzen Stücks im Hintergrund zu hören sind. Charakteristisch für einige Disco-Stücke ist das Zusammenspiel des durchgängigen Beats des Schlagzeugs mit den Perkussionsinstrumenten in Zwischenteilen, den sogenannten “Breaks”, die oftmals einen großen Teil eines Stücks ausmachen. In diesen “Breaks” setzt ein Großteil der Instrumente aus und nur noch Schlagzeug und Perkussion sind zu hören. Nach und nach oder auf einen Schlag beginnen wieder alle Instrumente zu spielen.

Der stilistische orchestrale Stil der Disco-Musik entsteht vor allem durch die häufige Verwendung von unisono gespielten Streicher- und Bläserlinien in Verbindung mit ansteigenden und nachhallenden Gesängen oder durch lange instrumentale Zwischenstücke, die eine “Wall of Sound” entstehen lassen. In den späten 1970er Jahren, als der Discosound sich verselbständigte und zahlreiche One-Hit-Wonder hervorbrachte, entstand ein minimalistischerer Discosound mit transparenterer und sparsamerer Instrumentierung. Als Wegbereiter dafür ist unter anderem die Gruppe Chic zu nennen.